Krippen. Kitas. Pionierlager. Familienförderung mit Plan

oben: Essenszeit in der Kinderkrippe, Lichtenbergweg, 1961

Oberstes Ziel der Frauenpolitik war die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auch die Karl-Marx-Universität Leipzig hatte eine aktive Familienförderung zu gewährleisten. Studentinnen und Mitarbeiterinnen sollten von ihren Belastungen als Hausfrauen und Mütter weitgehend befreit werden.

Eigene Kinderkrippe für Universitätsangehörige im Lichtenbergweg, 1961

Umgangssprachlich als „Muttipolitik“ bezeichnet, konzentrierte sich die Familienpolitik der DDR und in der Leipziger Universität seit den 1970er Jahren vorwiegend auf Frauen mit Kindern. Die sozialistische Familienförderung unterstützte auch studentische Eltern. So erhielten Studierende mit Kindern ab 1972 ein Zusatzstipendium von 50 Mark pro Elternteil, ab 1985 sogar 60 Mark, was ungefähr einem Drittel des staatlichen Monatsstipendiums entsprach.

Abfahrt der Universitätskinder ins Ferienlager Bad Saarow, 1969

Zudem bot die Universität studierenden Eltern moderne Familienwohnheimplätze in zentraler Lage an. So gab es in der Gerberstraße ein besonderes Wohnheim für Studentenfamilien. Besonders wichtig und begehrt waren Betreuungsplätze für Kinder von Studentinnen und Mitarbeiterinnen. 1950 wurde die erste universitätseigene Kinderkrippe errichtet. 1971 konnte die Universität schon 116 Tageskrippenplätze und 332 Kindergartenplätze zur Verfügung stellen.

Zimmer im Mutter- Kind-Wohnheim in der Gerberstraße, 1973

Weitere 141 Kinder wurden in Wochenkrippen durchgängig von Montag bis Freitag versorgt. Das Angebot konnte den Bedarf allerdings nicht decken. Auch die Urlaubsplanung übernahm der sozialistische Staat. Die Familien durften ihren Urlaub in einem der universitätseigenen Ferienheime verbringen, die Kinder erholten sich im Pionierlager Grünplan an der Mecklenburgischen Seenplatte oder in Bad Saarow am Scharmützelsee.