Frauenstudium seit 1906 an der Universität Leipzig

Frauenstudium seit 1906 an der Universität Leipzig

Gattin. Gasthörerin. Gleichstellung.

Mit der Ausstellung #3G. GATTIN. GASTHÖRERIN. GLEICHSTELLUNG. haben das Gleichstellungsbüro der Universität Leipzig und das Universitätsarchiv im Jahr 2015 der Entwicklung der Bildungsgerechtigkeit an der Alma Mater Lipsiensis nachgeforscht.
Begleitend zur Ausstellung ist diese Publikation entstanden, um die wechselvolle Geschichte des weiblichen Bildungsdrangs vom Mittelalter bis in die heutige Zeit präsent zu halten:
Die Alma Mater Lipsiensis, die nährende Mutter Leipzig, wie die Universität auch genannt wird, hatte lange Zeit ausschließlich Söhne. Seit der Gründung im Jahr 1409 bis ins späte 19. Jahrhundert hinein war die Universität Leipzig ein reiner Männerbetrieb: Frauen hatten keinen Zutritt zu den Universitätsgebäuden und waren von allen Lehrveranstaltungen ausgeschlossen.

Frei von weiblichem Einfluss blieb die Leipziger Hochschule in dieser Zeit dennoch nicht. Ob als Köchinnen in den Studentenwohnhäusern, als gebildete Gattinnen oder gar als wohlhabende Stifterinnen, Frauen engagierten sich trotz fehlender Studienerlaubnis für ihre Universität. Im Jahr 1906, nach langen, zähen Verhandlungen und der vereinzelten Zulassung von Gasthörerinnen, konnten sich die ersten Leipziger Studentinnen gleichberechtigt immatrikulieren. Die formale Gleichberechtigung bedeutete jedoch noch lange keine tatsächliche Gleichstellung im Universitätsalltag.
So verlief die Geschichte des Frauenstudiums an der Universität Leipzig keineswegs geradlinig. Sie war vielmehr von Widersprüchen, Erfolgen und Rückschlägen geprägt. Die studierenden
Frauen hatten ihre KritikerInnen und BremserInnen, sie hatten aber auch ihre BefürworterInnen und FörderInnen.
Das Frauenstudium erlebte im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach eine politische Überformung und ideologische Vereinnahmung. Der Brückenschlag zur aktuellen Arbeit des Gleichstellungsbüros zeugt vom Potential von Diversity als Chancengleichheitskonzept der Zukunft, mit dem die Universität Leipzig sich den wortwörtlich
vielfältigen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts stellen wird.
Dass damit die letzten Kapitel der Erfolgsgeschichte des weiblichen Bildungsdranges noch lange nicht geschrieben sind, zeigen die Frauen in Entscheidungspositionen an der Universität Leipzig, die in der Publikation zu Bildungs(un)gerechtigkeiten zu Wort kommen. Kontrastriert an einstmaligen Epochen verknüpfen sich so die Biografien historischer und moderner Wegbereiterinnen, einer Universität, die ohne Frauen nicht zu machen ist.