Direktorin und Ehrenbürgerin. Renate Drucker

Der Vater Reichsgerichtsanwalt, die Tochter machte ihr Abitur in Schloss Salem. Die ganze Welt des Wissens stand der jungen Renate Drucker offen. Dann kamen die Nationalsozialisten mit ihren „Rassegesetzen“ und der Krieg. Dennoch schaffte sie es an die Spitze des Universitätsarchivs.

Eigentlich wollte Renate Drucker, jüngster Spross einer Leipziger Juristenfamilie, Jura studieren. Doch nach dem Abitur im Schloss Salem beschäftigte sie sich lieber mit Geschichte, Germanistik, Anglistik und lateinischer Philologie an der Universität Leipzig. Im April 1938 erteilte die Universität ihr ein Studienverbot wegen fehlendem Ariernachweis, auch die Institutsräume durfte Renate Drucker plötzlich nicht mehr betreten.

Renate Drucker, um 1967
Renate Drucker, um 1967

 

 

 

 

Von den Nationalsozialisten wurde sie wegen ihrer jüdischen Familienwurzeln diskriminiert und bekam auch keine Arbeitserlaubnis.
Zwar hob die Universität im Jahr 1941 das Studienverbot wieder auf, das Staatsexamen oder eine Promotion blieben ihr in Leipzig jedoch weiterhin verwehrt. Renate Drucker setzte ihr Studium daher in Straßburg fort, wo sie am 23. November 1944 promoviert wurde – nur wenige Stunden vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen. Die Universität Tübingen stellte ihr eine Not-Promotionsurkunde aus. Nach Kriegsende zurück in Leipzig, arbeitete sie als Sekretärin im Berufsausschuss der Rechtsanwälte und Notare und seit 1947 als Dozentin für mittelalterliches Latein an der Universität. 1950 wurde sie zur Direktorin des Universitätsarchivs Leipzig berufen. Neben Forschungen zur Universitätsgeschichte war sie unermüdlich mit dem Wiederaufbau des kriegszerstörten Archivs beschäftigt. Bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1977 lehrte sie zudem als außerplanmäßige Professorin an der Sektion Geschichte. Wegen ihrer Verdienste um die Aufarbeitung der jüdischen Vergangenheit Leipzigs wurde sie 1997 mit dem Sächsischen Verdienstorden ausgezeichnet. Im gleichen Jahr verlieh ihr die Universität Leipzig den Titel der ersten Ehrenbürgerin. 92-jährig starb Renate Drucker am 23. Oktober 2009 in Leipzig.